Die Enzyklopädie der Journalisten
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| Foto von brotiN biswaS von Pexels |
Finanzbeamten über deren Arbeit unterhalten, fielen mit Sicherheit genauso viele Fremdwörter wie im Gespräch mit einem Chemiker oder einem Lehrer. Aber die Begriffe, die wir im Journalismus verwenden, betreffen auch irgendwie unsere Leser - und weil ziemlich viele Menschen mit Zeitung, Medien und Nachrichten zutun haben, sind die Begriffe auch gängiger. Deshalb habe ich euch hier die wichtigsten herausgeschrieben, die euch entweder auch mal über den Weg laufen oder einfach so interessieren könnten.
Aufmacher Kommen wir zuerst zur Seiteneinteilung: Wer eine Zeitungsseite aufschlägt oder die Internetseite, der findet immer ein Textstück, das am meisten Raum einnimmt. Es steht oben und enthält das wichtigste Thema. Das ist der sogenannte Aufmacher, weil er die Seite eröffnet, also aufmacht. Im Gegensatz dazu steht der "Keller" oder der "Fuß", das Zweitwichtigste Stück, das am unseren Ende der Seite steht. Der Grund dafür ist, dass Leser gerne mit dem Blick von oben nach unten springen, um die gesamte Seite zu erfassen, hat eine Studie festgestellt. Entsprechend bauen wir die Zeitung.
Autorisierung Normalerweise geben wir unsere Texte nicht mehr an unsere Protagonisten, um sie gegenlesen zu lassen. Da spielt zu sehr die Pressefreiheit rein. Eine Ausnahme gibt es aber: Interviews. Führen wir sie im Wortlaut, also geben wir Menschen eins zu eins wieder, schicken wir das Interview gelegentlich komplett zu unserem Gesprächspartner, der es verändern darf und dann genehmigen muss. Dieses Prozedere heißt Autorisierung. Dazu sind wir nicht verpflichtet, aber es ist ein faires Angebot.
Belichten Wie ein Foto werden jeden Abend auch Zeitungsseiten belichtet. Redakteure oder Mediengestalter übernehmen je nach Verlag diesen Job. Das heißt konkret nichts anderes, als dass aus den über den Tag erstellten Seiten eine Druckplatte hergestellt wird, die wiederum die Seiten in der Druckerei auf Papier bringt.
Buch Anders als ihr vielleicht erwartet, handelt es sich nicht um eine Lektüre, die wir für unseren Job brauchen. Nein, Bücher sind die einzelnen Teile einer Zeitung. Oft besteht sie aus vier Büchern, also jeweils eigenen Teilen, die nur durch das Falten in der Mitte zusammengehalten werden.
Chefredaktion Zum Aufbau der Redaktion komme ich zwar noch, aber kurz zur Grundlage. In Verlagen gibt es redaktionell folgende Hierarchie: Ganz oben steht der Chefredakteur, der inhaltlich die Richtung einer Zeitung oder eines Medienhauses vorgibt, danach kommt die Chefredaktion. also Stellvertreter, Chefs vom Dienst und Online-Chefredakteure, die zwar Einfluss haben, aber weniger als der Chefredakteur. Anschließend folgen die Redaktionsleiter, die ein eigenes Ressort oder eine Lokalredaktion führen und danach kommen die Redakteure. Die Chefredaktion steht also ganz oben.
Durchlauf Wenn eine Seite in mehreren Ausgaben erscheinen soll - was zum Beispiel bei Regionalseiten so ist, die größere Areale abdecken - dann ist der Durchlauf der einfache Weg, die Seiten zu übernehmen. Sie werden einmal produziert und im Prinzip in allen notwendigen Zeitungen dupliziert. Das ist eine Durchlaufseite.
Editor Früher war es üblich, dass ein Redakteur nicht nur Artikel schreibt und redigiert, sondern auch Seiten baut. Inzwischen entwickeln sich immer mehr Verlage in die Richtung, dass Editoren ausschließlich Seiten bauen und Texte dafür redigieren, während Reporter ausschließlich schreiben. Das klassische Redakteursbild wird also seltener.
Freier Mitarbeiter An dieser Stelle gibt es einen großen Unterschied zu erklären, und zwar der Unterschied zwischen freiem Mitarbeiter und freiem Journalisten. Während letztere eine Ausbildung haben, selbstständig gemeldet sind und ihre Texte häufig mehreren Blättern anbieten - natürlich aufgrund ihrer Profession für viel oder zumindest mehr Geld - sind freie Mitarbeiter die Ergänzung der Redaktion. Meistens haben sie noch einen anderen Job, sind Schüler, Studenten oder Rentner, die sich etwas dazu verdienen wollen und deshalb Termine übernehmen, die die Redaktion aus Zeitgründen oft nicht übernehmen kann. Ein Pauschalist wiederum ist ein fest angestellter Freier Mitarbeiter, der an bestimmten Tagen einen festen Platz in der Redaktion hat und in deren Alltag fester involviert ist. Aber auch das ist wirklich selten geworden.
Glosse Wenn ihr in der Zeitung Stücke findet, die komisch klingen oder sehr überzogen sind, handelt es sich meistens um Glossen. Bei dieser Textart macht sich der Autor auf satirische Art über ein bestimmtes Thema lustig, überspitzt es und zieht es ins Absurde, um auf etwas andere Art zum Nachdenken anzuregen. Mir gefällt der Typ richtig gut, weil er die Ernsthaftigkeit der Zeitung mal auflockert und dem Leser etwas anderes bietet. Außerdem macht das Schreiben Freude.
Kolumne Kolumnen sind Formate, in denen entweder ein fester Redakteur oder eine Redaktion in regelmäßigen Abständen über ein bestimmtes Thema schreibt. In unserer Redaktion gibt es beispielsweise jeden Samstag den Marktplatz, in dem wir abwechselnd Artikel aus der vergangenen Woche aufgreifen, sie kommentieren, einordnen oder verulken. Wichtig bei einer Kolumne sind die Regelmäßigkeit und die Einheitlichkeit der Themen. Dieser Texttyp ist stilistisch sehr frei, dort kann man sich ganz gut austoben.
Leser Nein, damit meine ich nicht diejenige, die unsere Zeitung kaufen oder online lesen, sondern diejenigen, die am Abend in unsere Redaktion kommen und unsere Zeitung auf Fehler durchforsten. Sie werden auch Korrektoren genannt. Nicht jede Redaktion hat diesen Luxus, aber er bringt erfahrungsgemäß viel, weil die Betriebsblindheit irgendwann Fehler durchrutschen lässt, die "frische Augen" sofort finden.
Mantel Nein, auch damit meine ich nicht die warme, etwas längere Jacke, sondern einen Teil der Zeitung, nämlich der Teil, der nicht lokal produziert wird. Das betrifft etwa Wirtschaft, Politik, Seite 3, Kultur und Panorama. Weil all das überregional bis weltweit passiert und in nahezu jeder Tageszeitung aufgegriffen wird, produzieren diesen Teil der Zeitung einige wenige Redakteure am Hauptstandort eines Verlags, der Mantelredaktion. Übrigens, Mantel deshalb, weil dieser Teil der Zeitung der erste ist und die Zeitung "ummantelt".
Meldung Dieses Wort muss unterschieden werden. Eine klassische Meldung ist die Veröffentlichung einer Ankündigung, die nicht allzu viel hergibt. Zum Beispiel vermelden wir Jahreshauptversammlungen und kleinere Feste, jeweils am Rand einer Seite. Meldung bedeutet aber auch, sofort Informationen herauszugeben, eben etwas zu melden, wenn etwas passiert. Diese Meldungen werden schließlich angefüttert mit weiteren Informationen, aber zuerst gibt es die Erstmeldung, um die Leser direkt zu informieren.
Newsdesk In vielen Verlagen gibt es eine Gruppe Redakteure, die wichtige Informationen sammelt und filtert. Dort sitzt normalerweise aus jedem Ressort ein Redakteur. Dieser Newsdesk gehört zum Mantel, da dort auch die wichtigsten Informationen gebündelt werden. Manche Verlage haben auch Newsdeskmanager in den Lokalredaktionen, die sich jeweils um Absprachen mit dem Mantel und anderen Redaktionen kümmern sowie den Spiegel (siehe unten) erstellen. Sie sind praktisch die Organisatoren und Koordinatoren.
Redakteur Und nun zu den Basics. Redakteure sind diejenigen, die entscheiden, was in die Zeitung kommt, diese Geschichten auch schreiben und letzten Endes die Zeitungsseiten sowohl mit Artikeln bestücken als auch freigeben (zu deren Alltag an anderer Stelle mehr). Ihnen zuvor geht das Volontariat, also die meistens zweijährige praktische Ausbildung im Verlag.
Ressort Ein Ressort ist eine Abteilung. Bei der Zeitung bedeutet das, ein Teil der Zeitung. Beispiele? Politik, Wirtschaft, Feuilleton, Sport. Aber auch jede Lokalredaktion für sich kann als Ressort gesehen, genau wie die einzelnen lokalen Einteilungen vor Ort.
Die Seite 3 Irgendwie kennt diese Seite gefühlt jeder und sie ist auch in fast jeder Zeitung vorhanden: die Seite 3. Dort stehen ganzseitige Lesegeschichten, die sich intensiv mit bestimmten Themen auseinandersetzen und sonst in dieser Form keinen Platz in der Zeitung fänden.
Spalten Eine Zeitung ist nach Spalten aufteilt. Unsere Zeitung zum Beispiel hat sechs Spalten, anhand denen wir entscheiden, wir wir sie aufbauen. Eine Spalte ist fast immer für Meldungen reserviert.
Spiegel Der Spiegel zeigt an, welcher Inhalt auf welche Seite soll. Bekommen wir fünf lokale Seiten oder zehn? Darüber stimmen wir uns in der Redaktion ab. Der Spiegel, der in der Produktion nach Rücksprache entsteht, zeigt uns dann an, wo wir was draufstellen dürfen und wo Anzeigen sind. Da wir fast immer Doppelseiten in der Zeitung haben, muss in Viererschritten (zwei Mal Vor- und Rückseite) gearbeitet werden, was den Spiegel manchmal erschwert.
Schusterjunge und Hurenkind Zwei Sachen gilt es in Artikeln, neben vielen anderen, zu vermeiden: Schusterjunge und Hurenkind (die aus traditionellen Gründen so heißen, deren Bezeichnung aber schon so manches Mal für Verwunderung und Entsetzung gesorgt hat). Ein Schusterjunge ist ein Absatz, der am Ende einer Spalte beginnt, und ein Hurenkind ist das Ende eines Absatzes zu Beginn einer neuen Spalte. Kurzum: Sieht beides blöd aus.
Zeilen In dieser Einheit messen wir die Größe unserer Artikel. "Normale" Artikel haben 80 bis 120 Zeilen. Eine Zeitungszeile kann aber nicht mit DIN A4 verglichen werden, weil in der Zeitung maximal fünf Wörter nebeneinander in eine Zeile passen.
Zitate Sie machen einen Artikel lebendig, stellen uns aber vor Herausforderungen, weil wir natürlich niemandem etwas in den Mund legen, sondern wortgetreu wiedergeben sollen und möchten. Entsprechend wichtig ist es, sofort mitzuschreiben. Aber Zitate geben Berichten auch eine gewisse Frische, weil Menschen zu Wort kommen.

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